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Erstellt:06.08.2017
Aktualisiert:06.08.2017
  

Die Truman Show

 

Verstehen Sie Spaß

 

Vor ein paar Tagen habe ich die Notbremse gezogen und etwas getan, was ich eigentlich nie wieder tun wollte. Mit dem Fahrrad­anhänger am Haken radelte ich zum Elektronikmarkt und habe mir nach über 10 Jahren wieder einen Fernseher gekauft. Das war notwenig, denn ich brauchte unbedingt etwas zur Betäubung. Der Alkohol war mir inzwischen zu teuer geworden und gesund ist er ja auch nicht. Harte Drogen kosten auch zu viel und für das, was man in der Apotheke nebenan so alles bekommen könnte, müßte man einen Arzt bestechen. Aus früheren Jahren weiß ich, daß so ein Fernsehgerät bestens geeignet ist, mein Hirn zeitweise auszuknipsen. Ich kenne natürlich auch die Nebenwirkungen: Wenn man nicht rechtzeitig abschaltet, wirkt die Gehirnwäsche und die verwirrten Synapsen fangen in Todesangst an, willkürlich neue Verbindungen zu suchen. Aber das habe ich hoffentlich im Griff.

Nachdem ich das Gerät aufgestellt und angeschlossen hatte, ließ ich einen Sender­suchlauf machen und nutze die Zeit, um für den ersten Fernsehabend noch schnell eine Tüte Chips zu besorgen. Das mache ich normalerweise ja auch nicht. Aber ehe die neue EU-Richtlinie greift und „noramle“ Chips verboten werden, wollte ich mir noch mal eine volle Dröhnung Acrylamid reinziehen. Außerdem gehören die Chips einfach zum Ritual beim Fernsehen und jeder weiß ja, daß Rituale wichtig sind! Als ich vom Supermarkt zurück war, hatte die Flimmerkiste ihren Suchlauf beendet. Irgend ein Typ stand vor einer Weltkarte und erzählte was. „Bild und Ton sind ganz ok“, dachte ich und bereitete die Chips und die Getränke für meinen ersten Fernsehabend vor. Dann zog ich die Kleidung aus und ging erst mal duschen. Mit dem Dreck von draußen gibt es für mich nun mal keine Gemütlichkeit!

Gut trockengerubbelt schlüpfte ich nun in meinen Bademantel und setzte mich schließlich in meinem Lieblingssessel vor den neuen Flatscreen. „Scheiße“ dachte ich, „jetzt habe ich doch glatt eine Fernsehzeitung vergessen“. Aber jetzt wieder die Straßen­klamotten anziehen und rausgehen? Es war inzwischen schon dunkel geworden und durchs offene Fenster hörte ich schon wieder diese orientalischen Klänge aus Bluetooth-Lautsprechern und lautes Männergebrüll in einer zischenden Sprache. Erst vor wenigen Tagen wurde im Park nebenan wieder einem nächtlichen Spaziergänger fast die Rübe eingeschlagen. Er wollte einer Frau helfen, die man bedrängt hatte. Die Frau hat sich aus dem Staub gemacht. Der Täter sowieso. „Nö“, dachte ich, „ich bleibe zuhause. Ich zappe mich einfach mal durch“.

Und nun war er gekommen. Mein erster Fernsehabend seit einer gefühlten Ewigkeit. „Ob die alten Sendungen wohl noch laufen“ fragte ich mich und griff nach der Fern­bedienung, nachdem ich meinen Hintern noch ein wenig zur Seite gerückt hatte. Ja, so war es besser, jetzt konnte es losgehen. Voller Spannung suchte ich die beiden Knöpfe zum Rauf- und Runterzappen. Es waren einige Gesichter zu sehen, die ich noch von früher kannte. Andere kannte ich von Youtube, wo ich mir schon mal gelegentlich diese unfairen und einseitigen Diskussionen reinzog. Sie wissen schon. Diese öffentlichen Tribunale, wo ein einsamer Protagonist vielen Besserwissern zum Fraß vorgesetzt wird und nie ausreden darf. Aber es waren auch viele Gesichter und Sendungen dabei, die ich noch nicht kannte. Mein erster Eindruck vom Fernsehen war eher enttäuschend. Viel sinnloses Zeug. Blutjunge Moderatoren, wahrscheinlich frisch aus der Schule, die glauben, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben und einen einen Scheiß in einem unverständlichen Slang daher labern. Die sich selbst so witzig und cool finden, daß sie ständig abkichern. Beim männlichen Geschlecht ist das ja gerade noch zu ertragen, aber junge kichernde Frauen im Fernsehen sind eine echte Qual. Aber egal, was ich hatte ich auch erwartet? Es war ja mein Ziel, meine Synapsen einem DDoS-Angiff auszuliefern, um sie ruhig zu stellen.

Doch dann passierte es! Durch den Sendersuchlauf waren die Sender nicht sortiert und das „Erste“ Programm, das früher immer auch an erster Stelle einsortiert war, kam erst ziemlich weit hinten. Und was soll ich sagen, ich fühlte mich doch gleich wieder wie zuhause, denn es lief eine Sendung, die gab es auch schon vor vielen Jahren. Am Anfang mit Kurt Felix und Paola, ja ich glaube so hießen die. Dort werden Leute verarscht. Heute nennt man das wohl „geprankt“. Ich legte die Fernbedienung zur Seite, nahm einen kräftigen Schluck Bier, rückte meinen Hintern abermals zurecht und griff zum ersten Mal beherzt in die Schale mit dem Acrylamid. „Scheiß EU“, ging es mir den Kopf, „die Dinger sind ja wirklich lecker, schade drum“.

Ein paar Prominente, die so prominent sind, daß ich sie nicht kenne, wurden in der Sendung durch den Kakao gezogen. Stellenweise ziemlich platt, manchmal aber auch witzig und geistreich gemacht. Dann war eine Hausfrau zu sehen, deren Ziel es war, ihren Mann öffentlich in die Pfanne zu hauen. Der Moderator, den ich übrigens vorher auch nicht kannte, meinte, daß der Typ, den es übrigens ziemlich hart treffen sollte, das auch verdient gehabt hätte. Alles in allem seichte Unterhaltung, unter die man immer wieder erzieherische Bemerkungen einstreute, die mich wohl zu einem besseren Menschen machen sollen. Aber geschenkt. Doch dann kündigte der Moderator an, daß die nachfolgende Nachrichtensendung und überhaupt alle folgenden Sendungen an diesem Tag ausfallen würden. Stattdessen hätte die Sendung „Verstehen Sie Spaß“ heute ein Open End. Diese Ausgabe werde die größte, teuerste, aufwendigste und verrückteste Show werden, die man jemals im Fernsehen sehen konnte und wohl auch nie wieder sehen würde! Sie wäre so gigantisch, daß man sie niemals mehr würde wiederholen können. Vorbild und Inspiration sei nichts geringeres als der Film „Die Truman Show“ gewesen.

Die Truman Show

Truman Show

In diesem Film wird das tägliche Leben eines Menschen gezeigt. Das spannende daran ist, daß der Protagonist im Film nicht weiß, daß er der Haupt­darsteller einer rund um die Uhr laufenden Fernsehshow ist. Er wurde unter einer riesigen Käseglocke geboren und lebt sein Leben, ohne auch nur zu ahnen, daß überall Kameras versteckt sind und weder der Himmel über ihm echt ist, noch seine Freunde oder irgendwas sonst. Alles getürkt und gefaked. Ein „Megaprank“ sozusagen. Der Film hat ein gutes Ende für den armen Truman. Als es einmal nur genau dort regnet, wo er steht und ihm der Regenschauer auf Schritt und Tritt folgt, ahnt er langsam den Schwindel. Truman kommt irgendwann dahinter, daß er sein Leben lang zum Spaß für die Zuschauer verarscht wurde. Schließlich entdeckt er zufällig den Ausgang der riesigen Käseglocke und findet in der realen Welt sogar die Schauspielerin, in die er sich während der Show verliebt hatte.

„Ja, das war ein sehr schöner Film“, dachte ich, während der Moderator, der sich selbst „Guido“ nannte, diesen größten, teuersten und aufwendigsten Fernsehgag in der Fernsehgeschichte ankündigte. Ich nahm mir fest vor, die Truman-Show mal wieder anzugucken. Plötzlich wurde mir schlecht. SIE betrat die Bühne! SIE! Ich dachte erst, ich hätte aus Versehen eine der Zapptasten gedrückt, aber das konnte ja nicht sein, weil die Fernbedienung lag ja auf dem Beistelltisch. „Was, verflucht nochmal, macht diese [zensiert] Merkel in einer Unterhaltungs­show am Samstag Abend“ fragte ich mich selbst ganz verdutzt. „Wollen die ihr Publikum loswerden?“. Aber dann fiel mir wieder ein, daß diese Show ja keine 08/15-Ausgabe sein sollte und da gab die Anwesenheit der „Raute“ ja durchaus einen Sinn. „Mensch“, ging es mir durch die Rübe, „da habe ich nach so vielen Jahren zufällig gerade jetzt vor der größten Show des Jahrtausends einen Fernseher gekauft und bin live dabei“. Aber es gibt ja im realen Leben diese absolut verrückten Zufälle, die man einem Romanschreiber niemals nicht abkaufen würde. Ein solcher war wohl der Kauf meines Fernsehers genau zur rechten Zeit.

Und jetzt war es für Merkel soweit. Nachdem eine junge Frau ein Lied auf englisch geträllert hatte, gingen alle Lichter aus. Ein Spot bohrte sich wie ein Lichtschwert durch die vernebelte Luft auf die Bühne hinab, wo Guido und Merkel jetzt standen und nach einem Trommelwirbel gemeinsam riefen:

„Verstehen Sie Spaß“

Glitzerndes Konfetti regnete sodann auf die beiden herunter. Klatschen und Blitzlicht­gewitter. Noch stand ich völlig auf dem Schlauch, während das Licht langsam wieder aufgezogen wurde und viele, viele Leute von hinten – ebenfalls klatschend - auf die Bühne strömten. Viele dunkelhäutige und „südländisch“ aussehende Männer waren dabei. Ich begriff es noch immer nicht, denn keinen von denen kannte ich. Nun kamen aber auch Menschen auf die Bühne, die ich schon mal gesehen hatte und auch welche aus der Politik. Ein paar von den Grünen, ein paar von den Linken. Alle Parteien, außer der einen, die ja immer fehlt, waren vertreten. Zum Schluß betraten eine Frau und ein Mann die Bühne, die dem Zuseher als „ Frau Reschke“ und „Til Schweiger“ vorgestellt wurden. Sie erhielten jetzt die ganze Aufmerksamkeit des Beleuchtungsmeisters. Reschke ergriff voller Ungeduld und Tatendrang das Mikrofon und trippelte dabei auf der Stelle wie ein aufgeregtes Kind. Sie meinte, daß alles nur ein großer Spaß gewesen wäre! Haha!

„Herrje“, fragte ich in mich noch immer völlig ahnungslos, „was soll denn nun ein Spaß gewesen sein“. Da erhob Merkel wieder ihre Stimme und erklärte der Nation, daß die ganzen letzten zwei Jahre nichts weiter gewesen waren, als eine gigantische, europaweite Truman-Show. Nur, daß nicht nur Truman ahnungslos unter der Käseglocke vor sich hin lebte, sondern wir alle! Es war alles gespielt! Nichts war echt! Wie zum Beweis betrat Maria Ladenburger freudestrahlend die Bühne und lachte voller Lebensfreude in die Kamera. Ihr vermeintlicher Mörder gesellte sich dazu und hatte ein verschmitztes Grinsen im Gesicht. Ja, das war wirklich ein Spaß!

Auf einer riesigen Leinwand hinter der Bühne gab es dann Liveschaltungen zu den größten Flughäfen Europas. Auf jedem standen dutzende Airliner parat und man konnte sehen, wie tausende und aber­tausende „Südländer“ die Maschinen bestiegen, um nach der größten schauspielerischen Leistung ihres Lebens zurück in die Heimat zu fliegen. Busse und Züge wurden befüllt und die Neger hatten alle ein freundliches Lachen im Gesicht, während sie den einheimischen Bürgern Teddybären zuwarfen.

Als ich mir gewahr wurde, einem dummen Scherz aufgesessen zu sein, fiel beinahe die Schale mit den Chips herunter, die ich vor lauter Anspannung und Gier inzwischen auf meinen üppigen Bierbauch gestellt hatte. Ich sprang auf und lief zum Fenster, wo vor wenigen Stunden noch orientalische Klänge und lautes Männergeschrei meine Ohren beleidigten. Es war nichts mehr zu hören! Totenstille! Alle weg! Schnell warf ich mich wieder in meinen Sessel und erfuhr auch nochmal von Til Schweiger, daß nichts von alledem echt war. Nichts, aber auch gar nichts. Es wurden keine Frauen vergewaltigt. Alles nur Schauspielerei. Die Leichen, die man uns gezeigt hatte, waren alle nur gut geschminkte Schauspieler. Keine Rentnerinnen wurden vergewaltigt, auch keine Kinder und junge Frauen. All die Grapschereien und Belästigungen in den Parks und Schwimmbädern haben nie stattgefunden. Messer­stechereien waren nur gut eingeübte Schausteller­tricks. Die ganzen Neger und Araber, die im Supermarkt nebenan ihre Einkaufswägen mit Marken­artikeln bis oben hin voll gestopft hatten und vermeintlich auf meine Kosten gelebt haben, hatten in Wirklichkeit die Sachen nach Ladenschluß wieder in die Regale geräumt. Dafür wurden eigens Nachtschichten gefahren! All die Schlägereien und die Übergriffe auf die Einheimischen waren professionell eingeübte Stunts, ich konnte es nicht fassen!

Die Welt, dachte ich, würde wieder sein, wie ich sie kannte. Die Frauen würden wieder mitten in der Nacht und stockbesoffen von der Disco nach Hause latschen können und die Gefahr, daß ihnen etwas zustoßen würde, würde so überschaubar gering sein wie früher. Rentnerinnen würden wieder Geld am Bankautomaten abheben können, ohne überfallen zu werden. Rentner würden nicht mehr zu Tode gefoltert werden, um ihnen das Versteck und den Code für den Tresor abzuringen. Neger würden nicht mehr anderen Negern wegen 50 Euro Ohren und Augenlider abbeißen und ihnen obendrein die Augen ausstechen. Mädels könnten wie früher stundenlang auf Bahnhöfen stehen und auf ihre Händys glotzen, ohne daß es ihnen aus der Hand gerissen würde und man ihnen zum Dank noch zwischen die Beine greifen würde. Kinder würden nicht mehr gegen Geld zum Sex aufgefordert und kleine Jungs nicht mehr im Schwimmbad anal vergewaltigt werden. Was für eine Aussicht: Weihnachtsmärkte ohne Maschinengewehre! Rockkonzerte, Dorf- und Stadtfeste ohne Eingangskontrolle und ohne LKW-Sperren aus Beton. Das Münchner Oktoberfest ohne Zaun und Stacheldraht! Wir würden Silvester und Neujahr wieder unbeschwert und fröhlich feiern können. Die Frauen würden ihr Pfefferspray wieder gegen das Schminkset eintauschen und im Sommer den Männern mit freizügiger Kleidung und Pumps optisch das Leben versüßen.

Angesichts der Zustände in manchen Vierteln Deutschlands, wo es auch vor 2015 schon schwer erträglich bis unzumutbar war, sauste mir für einen ganz kurzen Moment der Gedanke durch den Kopf, daß jetzt nur noch Ludwig Erhard auf der Bühne erscheinen müßte und uns erklären müßte, daß all die Gastarbeiter der 60er Jahre ebenfalls nur Teil dieser größten Show aller Zeiten waren. Doch soweit sollte es nicht mehr kommen. Es war nämlich inzwischen 6 Uhr morgens geworden und mein Wecker klingelte. Was für ein schöner Traum. Ich werde mich jetzt waschen und anziehen. Und nach dem Kaffee werde ich zur Arbeit laufen. Vorbei an all den „Südländern“, die die Nacht hindurch von meinem Geld gefeiert haben und dabei Frauen belästigt haben. Ganz sicher gab es auch in dieser Nacht, während ich diesen verrückten Traum träumte, wieder mal eine Frauenleiche. Wie fast jeden Tag. Ich werde es nachher in der Zeitung lesen. Spätestens aber im Internet, falls die Zeitung es mal wieder unter den Teppich kehrt. Vielleicht kaufe ich mir heute nach der Arbeit einen Fernseher, um mich ein wenig abzulenken.

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